
World Handicap System (WHS)
Seit jeher gibt es weltweit einheitliche Regeln im Golfsport und seit 2021 gibt es nun auch ein einheitliches System für die Berechnung von Handicaps.
Mit dem WHS (World Handicap System) ist es erstmals gelungen Handicap-Systeme weltweit zu vereinheitlichen. Dies bringt vor allem den großen Vorteil mit sich, dass Ergebnisse international vergleichbar gemacht werden und zudem der neue Handicap-Index die aktuelle Spielstärke besser abbildet.
Ihr Heimatclub als Ansprechpartner
Bei eventuellen Fragen bzgl. des World Handicap Systems, die über die hier veröffentlichten Infos hinausgehen, wenden Sie sich bitte direkt an Ihren Heimatclub. Dieser wurde von uns geschult und beantwortet gerne Ihre Fragen.
Ihr Handicap-Index (Handicap) entspricht dem Durchschnitt der besten 8 Ihrer letzten 20 Golfrunden. Um zu verstehen, wie das Ergebnis einer Golfrunde Ihr Handicap verändern kann, werden wir zunächst einmal die 5 zentralen Begriffe des World Handicap Systems erläutern:
- Handicap-relevante Runden
- Gewertetes Bruttoergebnis
- Score Differential
- Handicap-Index
- Course Handicap
Handicap-relevante Runden
Eine Golfrunde ist handicap-relevant, wenn sie Auswirkungen auf den Handicap-Index des Spielers hat.
Eine handicap-relevante Runde kann sowohl im Turnier, als auch privat (registrierte Privatrunde) sein und über 9- oder 18 Loch gespielt werden.
Gewertetes Bruttoergebnis
Für eine handicap-relevante Golfrunde ist nicht mehr die Stableford-Punktezahl ausschlaggebend, sondern das gewertete Bruttoergebnis. Es entspricht Ihrem Bruttoergebnis, jedoch mit der Einschränkung: „Maximum Score pro Loch = Netto-Doppelbogey“.
Maximum Score = Netto-Doppelbogey = Par + 2 + Handicap-Schläge
So wird verhindert, dass ein einzelnes schlechtes Loch zu große Auswirkung auf Ihr handicap-relevantes Ergebnis hat.
Score Differential
Der Score Differential ist notwendig, um aus jeder Handicap-relevante Runde einen vergleichbaren Wert ermitteln zu können. Dieser Wert entspricht in etwa der Anzahl an Schlägen über Par. Da die Schwierigkeit des Platzes in die Berechnung mit einfließt, weicht er allerdings etwas davon ab. Je besser die gespielte Runde, desto niedriger ist der Score Differential.
Das Ergebnis einer handicap-relevanten Runde wird in den Score Differential umgerechnet und in Ihrem Scoring Record (ehemals Stammblatt) gespeichert.
Der Score Differential Ihrer Runde wird vom Österreichischen Golf-Verband für Sie errechnet. Wer es gerne selber ausrechnen möchte, anbei die Formel:
Score Differential = (113 / Slope Rating) x (gewertetes Bruttoergebnis – Course Rating)
(Die Begriffe Slope Rating und Course Rating werden in Kapitel 2 erklärt)
Handicap-Index
Der Handicap-Index bildet Ihre Spielstärke ab. Golfanfänger starten mit dem maximalen Handicap-Index von 54. Je besser der Golfer/die Golferin, desto niedriger der Handicap-Index.
Der Handicap-Index entspricht dem Durchschnittswert der besten 8 Score Differentials der letzten 20 Golfrunden und wird auf eine Kommastelle gerundet.
Der Handicap-Index betrachtet nur die letzten 20 handicap-relevanten Runden. Damit zu starke Veränderungen aufgrund einer Formschwäche verhindert werden können, führt das WHS zudem den niedrigsten Handicap-Index der letzten 365 Tage (Low Handicap-Index). Weicht ein Spieler zu weit von diesem Wert ab, wird der Anstieg des Handicap-Index gedrosselt (mehr Infos zum sogenannten Cap, gibt es in Kapitel 2)
Das Course Handicap
Das individuelle Handicap eines Spielers auf einem bestimmten Golfplatz. Das Course Handicap entspricht der Anzahl der Handicap-Schläge, die ein Spieler aufgrund seines Handicap-Index für eine bestimmte Abschlagfarbe erhält.
Die Course Handicap Tabelle finden Sie in jedem Golfclub.
Im zweiten Kapitel zur Erklärung des World Handicap Systems gehen wir heute auf einige relevante Begriffe ein und erklären diese.
Low Handicap Index
Der niedrigste Handicap Index, der sich für einen Spieler im Zeitraum der letzten 365 Tage vor dem Tag seines aktuellsten Ergebnisses aus seinem Scoring Record ergibt.
Scoring Record (ehemals Stammblatt)
Eine Auflistung der (relevanten) Ergebnisse eines Spielers, einschließlich
- des aktuellen Handicap Index des Spielers,
- des Low Handicap Index des Spielers,
- anderer Einzelheiten zu jeder Runde (zum Beispiel das Datum der Runde) und
- aller anwendbaren Anpassungen
Cap
Das Cap-Verfahren begrenzt den Anstieg des Handicap Index eines Spielers gegenüber dessen „Low Handicap Index“. Das Cap-Verfahren enthält zwei Schwellenwerte:
- „Soft Cap“ – der Punkt, ab dem ein weiterer Anstieg des Handicap Index um 50% reduziert wird (3 Schläge über dem Low Handicap Index).
Beispiel: Low Handicap Index 18,0, theoretischer neuer Handicap Index 21,8. Es wird gewertet: 18+3+(50 % von 0,8) = 21,4.
- „Hard Cap“ – der Punkt, der die Obergrenze für den Anstieg eines Handicap Index darstellt. Dieser Hard-Cap ist mit 5 Schlägen über dem Low Handicap Index definiert.
Course Rating
Das Course Rating ist ein einheitliches, von der USGA entwickeltes, Bewertungssystem des Schwierigkeitsgrads von Golfplätzen weltweit. Dabei fließt nicht nur die Platzlänge in die Beurteilung mit ein, sondern auch alle Hindernisse, die Breite der Fairway uvm. Durch die beiden im Course Rating festgelegten Werte Slope-Rating (Slope) und Course Rating-Wert (CR) kann das jeweilige Course Handicap (siehe Kapitel 1) ermittelt werden.
Course-Rating-Wert (CR-Wert)
Der Course-Rating-Wert (CR-Wert) ist ein Indikator für die Schwierigkeit eines Golfplatzes. Er gibt an, welchen durchschnittlichen Score ein Scratch-Golfer (WHI 0) bei normaler Platz- und Witterungsbedingungen erspielt.
Slope Rating
Wert des Slope Ratings, er gibt die Schwierigkeit eines Golfplatzes für einen Bogey-Golfer (HCI Herren 20; HCI Damen 24) im Verhältnis zu einem Scratch-Golfer an.
Im dritten Kapitel zur Erklärung des World Handicap Systems gehen wir heute auf die wichtigsten Begriffe und Neuerungen ein, die direkt Ihr Spiel betreffen.
Ergebnisart / Handicap-relevantes Ergebnis
Die Ergebnisart ist ein Kennzeichen für die Art des handicap-relevanten Ergebnisses im Scoring Record eines Spielers. Dieses Kennzeichen gibt an, in welcher Spielform und über wie viele Löcher (9 oder 18) das Ergebnis erspielt wurde.
Folgende Ergebnisarten sind beim World Handicap System möglich:
- Handicap-relevantes Turnier
- Registrierte Privatrunde
Registrierte Privatrunden (ehemals EDS-Runden)
Eine registrierte Privatrunde führt zu einem handicap-relevanten Ergebnis. Die Registrierung muss vor der Runde in einem Golfclub stattfinden, in dem die Runde gespielt werden soll und die dort geltenden Bedingungen erfüllen. Registrierte Privatrunden gelten nun auch im Ausland zu denselben Bedingungen.
Ergebnisbestätigung
Das Ergebnis eines Spielers muss durch eine physische Unterschrift auf der Scorekarte oder durch die elektronische Signatur beim qualifizierten elektronischen Scoring des Zählers bestätigt werden.
Netto-Doppelbogey
Ein Netto-Doppelbogey ist das für die Handicap-Berechnung höchstmögliche Ergebnis eines Spielers auf einem Loch.
Penalty Score
Der Penalty Score ist ein fiktives Ergebnis, das einem Spieler eingetragen wird, der ein handicap-relevantes Ergebnis nicht eingereicht hat, oder eine Runde nicht beendet hat, oder wenn der Handicaps-Ausschuss zu dem Schluss kommt, dass der Spieler sich einen unfairen Vorteil verschaffen wollte.
Im vierten Kapitel zur Erklärung des World Handicap Systems gehen wir auf weitere wichtige Begriffe und Neuerungen ein, die Ihr Spiel direkt betreffen.
WICHTIG: Aufhebung des HCP-Limits 26,4
- Seit dem 1. Jänner 2026 gilt in Österreich eine aktualisierte Anwendung des World Handicap Systems (WHS):
- Das bisherige Handicap-Limit von 26,4 wurde aufgehoben. Für Spielerinnen und Spieler mit höheren Handicaps bedeutet das eine realistischere Einstufung ihrer tatsächlichen Spielstärke.
- Die Umstellung wurde automatisch zum Jahreswechsel 2025/2026 durchgeführt. Dabei wurden die Handicaps auf Basis der gespielten Ergebnisse neu berechnet – sie konnten sich also sowohl erhöhen als auch verringern.
- Zusätzlich haben die Golfclubs nun mehr Verantwortung: Der jeweilige Heimatclub kann Handicaps individuell anpassen (z. B. bei besonderen Umständen wie Krankheit oder längeren Spielpausen). Diese Anpassungen erfolgen innerhalb klar definierter Grenzen und ohne Antrag beim ÖGV.
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