Wie Frauen den Golfsport verändern

Golf war über Generationen ein Sport, in dem Frauen zwar mitspielen durften, die Regeln aber selten mitbestimmten. 

Die Sportwissenschaftlerin und Vorstandsmitglied des ÖGV Anna-Maria Kogler bringt es in ihrer Kolumne „EAGLE EYE on… The Power of Perspective“ im Golfmagazin Perfect Eagle auf den Punkt: „Frauen verändern, wie Golf gedacht wird."

Vom Mitspielen zum Mitgestalten

Golf war über Generationen ein Sport, in dem Frauen zwar mitspielen durften, die Regeln aber selten mitbestimmten. Dieses Bild verschiebt sich spürbar: auf den Touren mit Rekordpreisgeldern und neuen Vorbildern, in den Verbänden mit gezielten Programmen und in den Clubs, wo Frauen zunehmend Verantwortung übernehmen.

Dabei geht es weniger um ein „weiblicheres“ Golf als um ein vielfältigeres. Frauen bringen andere Fragen, andere Lebensrealitäten und andere Ideen davon mit, wie der Sport künftig aussehen kann.

Viel Luft nach oben

In Europa ist laut einer Studie der Manchester Metropolitan University weniger als jede vierte Person am Golfplatz eine Frau. In Großbritannien liegt der Anteil bei rund 16 Prozent, in Ländern wie Deutschland, der Schweiz, Schweden oder Norwegen dagegen bei etwa einem Drittel.

Das Potenzial ist groß: Branchenschätzungen gehen von bis zu 37 Millionen Frauen weltweit aus, die sich für Golf gewinnen ließen. Um dieses Potenzial zu heben, hat The R&A 2018 die „Women in Golf Charta“ ins Leben gerufen. Verbände, Touren und Clubs verpflichten sich damit, mehr Frauen und Mädchen ins Spiel zu bringen und Frauen auch beruflich in der Golfbranche zu fördern. Die R&A kündigte dafür Investitionen von 80 Millionen Pfund über zehn Jahre an.

Erste Effekte zeigen sich vor allem beim Nachwuchs: In Großbritannien ist inzwischen rund ein Drittel aller Golfneulinge weiblich.

Profisport: Mehr Geld, mehr Bühne

Am deutlichsten ist der Wandel im Profisport. Die U.S. Women’s Open 2026 in Riviera wurde mit 12,5 Millionen US-Dollar dotiert – die höchste Summe in der Geschichte des Frauengolfs. Fünf Jahre zuvor waren es noch 5,5 Millionen. Siegerin Nelly Korda erhielt allein 2,5 Millionen Dollar.

Inzwischen liegt das Preisgeld bei allen Majors der Damen über neun Millionen Dollar. Mit dem Geld wachsen TV-Präsenz, Sponsoreninteresse und die Zahl junger Spielerinnen, die eine Profikarriere als realistische Option sehen.

Österreichs Wegbereiterinnen

Auch Österreich hat Spielerinnen, die das Bild des heimischen Frauengolfs geprägt haben. Allen voran die Tirolerin Christine Wolf: Die zweifache Olympiateilnehmerin (Rio 2016, Tokio 2020) gewann 2019 die Hero Women’s Indian Open auf der Ladies European Tour und sammelte in ihrer Karriere 21 Top-10-Platzierungen. Im August 2026 verabschiedete sie sich bei den VP Bank Swiss Ladies Open als junge Mutter vom Profisport.

Die nächste Generation steht bereits auf der großen Bühne. Emma Spitz gewann 2018 als erste Österreicherin die British Girls Amateur Championship, schaffte 2023 in Pebble Beach als erste Österreicherin den Cut bei der U.S. Women’s Open und vertrat Österreich 2024 bei den Olympischen Spielen in Paris. Auf der Ladies European Tour zählt sie inzwischen regelmäßig zu den Top-10-Kandidatinnen.

Ausblick

Die entscheidende Frage ist nicht mehr, ob Frauen im Golf ihren Platz haben, sondern wie sehr sie das Spiel künftig mitgestalten. Rekordpreisgelder, neue Vorbilder und Programme wie die Women in Golf Charta schaffen die Voraussetzungen. Ob daraus nachhaltiges Wachstum wird, entscheidet sich aber vor Ort in den Clubs, in der Nachwuchsarbeit und in den Gremien, in denen über die Zukunft des Sports beraten wird.