
Husqvarna British Masters hosted by Sir Nick Faldo
DP World Tour – 27. – 30. August | The Belfry, Brabazon Course, Sutton Coldfield (England)
Wetter-Marathon frisst die Top-10-Ambitionen
Beim Husqvarna British Masters im legendären The Belfry reisen die beiden Österreicher Bernd Wiesberger und Maximilian Steinlechner mit gemischten Gefühlen aus den englischen Midlands ab. Beide hatten nach den ersten beiden Runden die Top 10 klar in Reichweite, verloren am wetterbedingt in kleine Portionen zerlegten Moving Day dann aber deutlich den Faden. Am Ende steht Bernd Wiesberger auf Rang T37 mit gesamt -4 (284) als bester Österreicher zu Buche, Max Steinlechner rutscht mit gesamt +2 (290) auf Rang 67 ins Klassement zurück. Den Titel holt sich am Sonntag mit einer Sensationsleistung der 32-jährige Engländer Joe Dean: Mit einer Course-Rekord-egalisierenden 63 (-9) dreht der Weltranglisten-292. einen Sieben-Schlag-Rückstand vor den Schlusslöchern noch in einen Drei-Schlag-Sieg um.
Die Woche in Sutton Coldfield stand von Beginn an unter Extrem-Wetter-Vorbehalt: Bereits zwei Minuten nach dem Auftakt am Donnerstag zogen die ersten Gewitter über den Brabazon Course, schwere Regenfälle verhinderten das planmäßige Weiterspielen an den ersten beiden Tagen. Runde 2 wurde erst am Samstag fertiggespielt, die dritte Runde startete am späten Samstagnachmittag und musste am Sonntagmorgen fortgesetzt werden. Für die Spieler bedeutete das eine Mischung aus Marathon, Konzentrations-Splittern und mehreren „kalten" Wiedereinstiegen.
Für Max Steinlechner verlief die erste Turnierhälfte wie im Bilderbuch. Der 26-jährige Tiroler blieb von den Wetterkapriolen völlig unbeeindruckt, spielte am Donnerstag eine sehenswerte 69 (-3) mit einem starken Finish – inklusive Eagle in seiner Schlussphase – und legte am Freitag mit einer weiteren 70 (-2) nach. Damit klassierte sich Steinlechner nach 36 Löchern bei -5 auf dem geteilten 15. Rang und hatte die Top 10 klar vor sich aufgefächert. Am Wochenende jedoch ließ sich der Rhythmus im wetterbedingten Splittbetrieb nicht mehr herstellen: Eine 76 (+4) am Moving Day warf den DPWT-Rookie deutlich zurück, die abschließende 75 (+3) am Sonntag konnte den Absturz nicht mehr abfangen.
Auch Bernd Wiesberger startete solide. Der Südburgenländer, der sich rund um die Nexo Championship in Aberdeen bewusst eine Turnierpause gegönnt hatte, spielte zwei 70er-Runden (-2) und lauerte damit bei -4 knapp hinter seinem Landsmann in aussichtsreicher Wochenendposition. Auch beim 40-Jährigen ließ jedoch der Moving Day keinen echten Zugriff mehr zu: Eine 73 (+1) in der zerstückelt zu Ende gespielten dritten Runde kostete Wiesberger zahlreiche Plätze, ehe er sich am Sonntag mit einer soliden 71 (-1) noch einige Ränge im Klassement zurückholte. Als bester Österreicher der Woche und mit Race-to-Dubai-Punkten in der Tasche geht es für den Ryder-Cup-Aspiranten nun mit Rückenwind in die dichten Herbstwochen.
An der Spitze schrieb der Engländer Joe Dean die Sportgeschichte der Woche. Vor dem Turnier auf Weltranglisten-Platz 292 notiert, hatte der 32-Jährige aus Sheffield – der einst als Supermarkt-Lieferfahrer arbeitete – nach seiner am Sonntagmorgen zu Ende gespielten dritten Runde acht Schläge Rückstand auf die Spitze. Die abschließende 63 (-9) ohne einen einzigen Bogey egalisierte den Course-Rekord und schob Dean gesamt auf -14 und drei Schläge vor Marco Penge, der als Halbzeitführender letztlich der große Verlierer der Woche wurde. Daniel Hillier (Sieger 2023) und Tom McKibbin komplettierten das Verfolgerfeld. Für Dean bedeutet der Coup einen Karriere-Sprung: Der erste DP-World-Tour-Titel, €510.934,24 Preisgeld und ein massiver Sprung in der Weltrangliste. „Ich hätte nicht im Traum daran gedacht, dass ich heute noch eine Chance habe", so ein überwältigter Dean im Anschluss.
Turniervorschau
Mit den Husqvarna British Masters eröffnet die DP World Tour ihren „Back-9-Swing" der Saison – und der Auftakt hat es in sich: Auf dem legendären Brabazon Course von The Belfry, viermaligem Ryder-Cup-Schauplatz (1985, 1989, 1993, 2002), startet gleichzeitig die europäische Qualifikation für den Ryder Cup 2027. Um ein Preisgeld von 3,5 Millionen US-Dollar, 5.000 Race-to-Dubai-Punkte und 1.500 Ryder-Cup-Punkte kämpfen 156 Spieler auf dem Par-72-Kurs über 7.363 Yards. Titelverteidiger Alex Noren, der 2025 mit -16 triumphierte, ist diese Woche nicht am Start – ein neuer Champion ist damit garantiert. Als Marktfavorit steht der Engländer Tyrrell Hatton vor Patrick Reed, Eugenio Chacarra und Marco Penge an der Spitze der Wettquoten. Die berüchtigten Wasserhindernisse an der 10 und der 18 haben in der Turniergeschichte immer wieder für dramatische Finalszenen gesorgt.
Aus rot-weiß-roter Sicht sind mit Bernd Wiesberger und Maximilian Steinlechner gleich zwei Österreicher im Feld – und beide bringen unterschiedliche, aber gleichermaßen spannende Ausgangslagen mit.
Bernd Wiesberger hat sich rund um die Nexo Championship in Aberdeen bewusst eine Turnierpause gegönnt, um mit frischer Energie in einen sportlich hochkarätigen Herbst zu starten. Nach seinem Sieg bei der Volvo China Open und dem gesicherten PGA-Championship-Startplatz im Frühling stehen für den Burgenländer nun neben Race-to-Dubai-Punkten auch klare Ryder-Cup-Ambitionen im Fokus. Der 40-Jährige, Ryder-Cup-Teilnehmer 2021, kennt die Bühne, kennt den Druck – und weiß, was ihn erwartet. Am Donnerstag ging der Südburgenländer um 13:45 Uhr britischer Ortszeit in einem Flight mit Stefano Mazzoli und Calum Hill an den Start.
Maximilian Steinlechner hat mit seinem stabilen T42 bei der Nexo Championship in Schottland vor einer Woche gezeigt, dass sein Spiel im europäischen Kalender-Endspurt weiter Form aufnimmt. Für den Tiroler DP-World-Tour-Rookie zählt in dieser Phase jeder Punkt in der Jahreswertung – das Ziel: die Tourkarte 2027 vorzeitig absichern und sich mit weiteren Cuts in eine komfortable Ausgangslage für die kommenden Wochen bringen. Steinlechners Tee Time am Donnerstag lag mit 14:35 Uhr knapp eine Stunde nach jener von Wiesberger, in einem Flight mit Alexander Lévy und Yuvraj Sandhu.
Husqvarna British Masters hosted by Sir Nick Faldo 2026
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