Mi, 13. Januar 2021

World Handicap System

Wissenswertes rund um die Einführung des World Handicap Systems (WHS) in Österreich

Von ÖGV

Mit dem WHS (World Handicap System) ist es erstmals gelungen Handicap-Systeme weltweit zu vereinheitlichen. Dies bringt vor allem den großen Vorteil mit sich, dass Ergebnisse international vergleichbar gemacht werden und zudem der neue Handicap-Index die aktuelle Spielstärke besser abbildet.
 

Ein paar Eckpunkte vorweg:

  • Ihr Heimatclub als Ansprechpartner
    • Bei eventuellen Fragen bzgl. des World Handicap Systems, die über die hier veröffentlichten Infos hinausgehen, wenden Sie sich bitte direkt an Ihren Heimatclub. Dieser wurde von uns geschult und beantwortet gerne Ihre Fragen. 
  • Termin der Einführung
    • Das neue WHS kommt auch in Österreich mit Saisonbeginn am 1. März 2021 zur Anwendung
  • Konvertierung der HCP’s von EGA- auf WHS-System
    • Alle Vorarbeiten, wie auch die Anpassungen und Programmierungsarbeiten der ÖGV-IT wurde termingerecht vor dem Jahreswechsel fertiggestellt. Zurzeit finden die letzten internen System-Checks statt. In den kommenden Wochen werden die HCP-Konvertierungen allen Golfvereinen bzw. deren zuständigem Handicapausschuss übermittelt und in weiterer Folge, Mitte/Ende Februar, auf den Stammblättern aller Golferinnen und Golfer ersichtlich.
  • WHS-Optionen für Österreich
    • Obwohl das WHS prinzipiell ein „weltweit einheitliches HCP-System“ darstellt, gibt es dennoch diverse „Optionen“, welche jeder nationale Golf-Verband innerhalb seines Landes nutzen kann. Auf diese „Österreich-Optionen“ bzw. dadurch entstehende Unterschiede zu (wenigen) anderen europäischen Golf-Ländern werden wir detailliert im Laufe der jeweils betreffenden Kapitel eingehen. 


Kapitel 1 (13.01.2021) – Wie funktioniert das WHS?

Ihr Handicap-Index (Handicap) entspricht dem Durchschnitt der besten 8 Ihrer letzten 20 Golfrunden. Um zu verstehen, wie das Ergebnis einer Golfrunde Ihr Handicap verändern kann, werden wir zunächst einmal die 5 zentralen Begriffe des World Handicap Systems erläutern:

  • Handicap-relevante Runden
  • Gewertetes Bruttoergebnis
  • Score Differential
  • Handicap-Index
  • Course Handicap
Handicap-relevante Runden

Eine Golfrunde ist handicap-relevant, wenn sie Auswirkungen auf den Handicap-Index des Spielers hat.

Eine handicap-relevante Runde kann sowohl im Turnier, als auch privat (registrierte Privatrunde) sein und über 9- oder 18 Loch gespielt werden.

Gewertetes Bruttoergebnis

Für eine handicap-relevante Golfrunde ist nicht mehr die Stableford-Punktezahl ausschlaggebend, sondern das gewertete Bruttoergebnis. Es entspricht Ihrem Bruttoergebnis, jedoch mit der Einschränkung: „Maximum Score pro Loch = Netto-Doppelbogey“.

Maximum Score = Netto-Doppelbogey = Par+2 + Handicap-Schläge

So wird verhindert, dass ein einzelnes schlechtes Loch zu große Auswirkung auf Ihr handicap-relevantes Ergebnis hat.

Score Differential

Der Score Differential ist notwendig, um aus jeder Handicap-relevante Runde einen vergleichbaren Wert ermitteln zu können. Dieser Wert entspricht in etwa der Anzahl an Schlägen über Par. Da die Schwierigkeit des Platzes in die Berechnung mit einfließt, weicht er allerdings etwas davon ab. Je besser die gespielte Runde, desto niedriger ist der Score Differential.

Das Ergebnis einer handicap-relevanten Runde wird in den Score Differential umgerechnet und in Ihrem Scoring Record (ehemals Stammblatt) gespeichert.

Der Score Differential Ihrer Runde wird vom Österreichischen Golf-Verband für Sie errechnet. Wer es gerne selber ausrechnen möchte, anbei die Formel:

Score Differential= (113/Slope Rating) x (gewertetes Bruttoergebnis – Course Rating)

(Die Begriffe Slope Rating und Course Rating werden in Kapitel 2 erklärt)

Handicap-Index

Der Handicap-Index bildet Ihre Spielstärke ab. Golfanfänger starten mit dem maximalen Handicap-Index von 54. Je besser der Golfer/die Golferin, desto niedriger der Handicap-Index.

Der Handicap-Index entspricht dem Durchschnittswert der besten 8 Score Differentials der letzten 20 Golfrunden und wird auf eine Kommastelle gerundet.

Der Handicap-Index betrachtet nur die letzten 20 handicap-relevanten Runden. Damit zu starke Veränderungen aufgrund einer Formschwäche verhindert werden können, führt das WHS zudem den niedrigsten Handicap-Index der letzten 365 Tage (Low Handicap-Index). Weicht ein Spieler zu weit von diesem Wert ab, wird der Anstieg des Handicap-Index gedrosselt (mehr Infos zum sogenannten Cap, gibt es in Kapitel 2)

Das Course Handicap

Das individuelle Handicap eines Spielers auf einem bestimmten Golfplatz. Das Course Handicap entspricht der Anzahl der Handicap-Schläge, die ein Spieler aufgrund seines Handicap-Index für eine bestimmte Abschlagfarbe erhält. 

Die Course Handicap Tabelle finden Sie in jedem Golfclub.

Kapitel 2 (20.01.2021) – Weitere Begriffserklärungen

Im zweiten Kapitel zur Erklärung des World Handicap Systems gehen wir heute auf einige relevante Begriffe ein und erklären diese.

Low Handicap Index

Der niedrigste Handicap Index, der sich für einen Spieler im Zeitraum der letzten 365 Tage vor dem Tag seines aktuellsten Ergebnisses aus seinem Scoring Record ergibt.

Scoring Record (ehemals Stammblatt)

Eine Auflistung der (relevanten) Ergebnisse eines Spielers, einschließlich

  • des aktuellen Handicap Index des Spielers,
  • des Low Handicap Index des Spielers,
  • anderer Einzelheiten zu jeder Runde (zum Beispiel das Datum der Runde) und
  • aller anwendbaren Anpassungen
Cap

Das Cap-Verfahren begrenzt den Anstieg des Handicap Index eines Spielers gegenüber dessen „Low Handicap Index“. Das Cap-Verfahren enthält zwei Schwellenwerte:

  • „Soft Cap“ – der Punkt, ab dem ein weiterer Anstieg des Handicap Index um 50% reduziert wird (3 Schläge über dem Low Handicap Index).

Beispiel: Low Handicap Index 18,0, theoretischer neuer Handicap Index 21,8. Es wird gewertet: 18+3+(50 % von 0,8) = 21,4.

  • „Hard Cap“ – der Punkt, der die Obergrenze für den Anstieg eines Handicap Index darstellt. Dieser Hard-Cap ist mit 5 Schlägen über dem Low Handicap Index definiert.
Course Rating

Das Course Rating ist ein einheitliches, von der USGA entwickeltes, Bewertungssystem des Schwierigkeitsgrads von Golfplätzen weltweit. Dabei fließt nicht nur die Platzlänge in die Beurteilung mit ein, sondern auch alle Hindernisse, die Breite der Fairway uvm. Durch die beiden im Course Rating festgelegten Werte Slope (Erklärung siehe Slope Rating) und CR (Erklärung siehe Course-Rating-Wert) kann das jeweilige Course Handicap (siehe Kapitel 1) ermittelt werden.

Course-Rating-Wert (CR-Wert)

Der Course-Rating-Wert (CR-Wert) ist ein Indikator für die Schwierigkeit eines Golfplatzes. Er gibt an, welchen Score ein Scratch-Spieler (HCI 0,0) bei normaler Platz- und Witterungsbedingungen spielen sollte. Ist der CR-Wert eines Platzes höher als sein Par, handelt es sich um einen tendenziell schwierigeren Platz. Ist er CR-Wert niedriger als das Par, wird der Platz eher leicht eingestuft.

Slope Rating

Wert des Slope Ratings, er gibt die Schwierigkeit eines Golfplatzes für einen Bogey-Spieler (HCI Herren 20; HCI Damen 24) im Verhältnis zu einem Scratch-Spieler an.


Kapitel 3 (27.01.2021) – Ergebnisse und Spielformen

Im dritten Kapitel zur Erklärung des World Handicap Systems gehen wir heute auf die wichtigsten Begriffe und Neuerungen ein, die direkt Ihr Spiel betreffen.

Ergebnisart / Handicap-relevantes Ergebnis

Die Ergebnisart ist ein Kennzeichen für die Art des handicap-relevanten Ergebnisses im Scoring Record eines Spielers. Dieses Kennzeichen gibt an, in welcher Spielform und über wie viele Löcher (9 oder 18) das Ergebnis erspielt wurde. Folgende Ergebnisarten sind beim World Handicap System möglich:

  • Handicap-relevantes Turnier
  • Registrierte Privatrunde
Registrierte Privatrunden (ehemals EDS-Runden)

Eine registrierte Privatrunde führt zu einem handicap-relevanten Ergebnis. Die Registrierung muss vor der Runde in einem Golfclub stattfinden, in dem die Runde gespielt werden soll und die dort geltenden Bedingungen erfüllen. Registrierte Privatrunden gelten nun auch im Ausland zu denselben Bedingungen.

Ergebnisbestätigung

Das Ergebnis eines Spielers muss durch eine physische Unterschrift auf der Scorekarte oder durch die elektronische Signatur beim qualifizierten elektronischen Scoring des Zählers bestätigt werden.

Außergewöhnliches Ergebnis

Wird ein Ergebnis eingereicht, welches deutlich besser ist, als das aktuelle Handicap, wird der Handicap-Index zusätzlich um einen Schlag (bei einem um 7,0 – 9,9 Punkte besseren Ergebnisses) bzw. um zwei Schläge (bei 10,0 oder mehr Punkte) nach unten korrigiert. Diese Korrektur wird auch auf jedes Score Differential im aktuellen Scoring Record angewandt. Die Auswirkung der Anpassung wird damit bestehen bleiben, wenn das nächste Ergebnis eingereicht wird, aber schrittweise nachlassen, wenn neue Ergebnisse hinzukommen. Dies soll dabei helfen, das Handicap dem aktuellen Spielpotenzial des Golfers schneller anzupassen.

Netto-Doppelbogey

Ein Netto-Doppelbogey ist das für die Handicap-Berechnung höchstmögliche Ergebnis eines Spielers auf einem Loch.

Handicap-Anpassungen

Bei Spielern mit einem Handicap-Index bis 2,0 übernimmt der ÖGV die Handicap-Anpassung, bei Spielern mit einem höheren Handicap übernimmt dies der ÖGV gemeinsam nach Überprüfung des Score Records mit dem Heimatclub. Jeder Golfclub muss dafür über einen Handicap Ausschuss verfügen.

Penalty Score

Der Penalty Score ist ein fiktives Ergebnis, das einem Spieler eingetragen wird, der ein handicap-relevantes Ergebnis nicht eingereicht hat, oder eine Runde nicht beendet hat, oder wenn der Handicaps-Ausschuss zu dem Schluss kommt, dass der Spieler sich einen unfairen Vorteil verschaffen wollte.

 


Kapitel 4 (03.02.2021) – Optionen und Diverses

Im vierten Kapitel zur Erklärung des World Handicap Systems gehen wir heute auf die Optionen und auf weitere wichtige Begriffe und Neuerungen ein, die Ihr Spiel direkt betreffen.

ÖGV – Optionen
  • Voranmeldung bzw. Registrierung bei Turnieren und Registrierten Privatrunden
    • Wie gehabt ist es weiterhin zwingend notwendig, dass handicap-relevante Runden VOR der Runde angemeldet werden.
  • Es sind 9- oder 18 Loch-Runden zulässig
    • Mit der Einführung des World Handicap Systems sind handicap-relevante Runden sowohl über 9 als auch über 18 Loch möglich.
  • Ab einem Handicap von 26,5 bis 54 gibt es keine automatische Heraufsetzung
  • Für die erste Festsetzung eines Handicap Index (54 oder besser), muss zwingend eine Scorekarte mit einem handicap-relevanten Ergebnis über 9 Loch abgegeben werden
  • PCC (vormals CBA) wird in Österreich nicht angewandt
Vorzeichen

Die Vorzeichen der World Handicap Indices werden im Vergleich zum alten EGA-Handicap getauscht: Besser als Null heißt im World Handicap System Minus-Handicap (und nicht mehr +)

Beispiel: