Fit am Abschlag

Wenn sich Amateurgolfer während der Winterpause mit ihrem Spiel beschäftigen, kommen Sportwissenschafter ins Spiel. Mag. Roland Graf hat Antworten auf die wichtigsten Fragen parat.

Häufig wollen interessierte AmateurgolferInnen wissen, was man denn tun könne, um fitter zu werden. Aber auch spezielle Trainingspläne, um den Ball weiter zu schlagen, stehen hoch im Kurs. Wir stellen dann meist die Gegenfrage: “Welchen Zeitaufwand wollen Sie betreiben?“ Im Schnitt lautet die Antwort dann „zwei- bis dreimal pro Woche jeweils 30 Minuten“. Dies stellt für uns in der Tat eine durchaus solide Basis dar. Möchte man hingegen wirkliche Fortschritte erreichen, ist dieser Trainingsumfang das Minimum.

Work Out im Fitnessstudio ist ein Muss

Viele Amateurgolfer stellen hohe Ansprüche an das eigene Spiel, erfolgreiche Tour-Professionals sind auch diesbezüglich wahre Vorbilder . Ein wesentlicher Unterschied im Trainingsverhalten der Profis zum Amateurgolfer ist dabei das zielgerichtete Workout mit oder ohne Trainingsgeräten. Die bedeutet mehr Aufwand an ohnehin knapper Zeit.

Insofern ist es wichtig, die eigene Erwartungshaltung zu hinterfragen: Wollen Sie über 300 Meter lange Drives kontrolliert schlagen und regelmäßig den Platzrekord einstellen? Oder möchten Sie mehr Konstanz in Ihr Spiel bringen und effektiver, ohne viel Kraftaufwand, weiter schlagen? Für beides ist regelmäßiges Training unabdingbar. Doch erwarten Sie keine Wunder – das Ergebnis ist direkt proportional zur investierten Zeit.

Grundlagen gezielten Golftrainings

Bezüglich Häufigkeit, Intensität und Modalität gilt es folgendes zu beachten:

  • Häufigkeit: Um Fortschritte zu erzielen, sollte man zumindest dreimal pro Woche zu je 30 Minuten ein maßgeschneidertes Programm absolvieren. Je häufiger, desto besser – wobei hier der Ausgangszustand eine Rolle spielt.
  • Intensität: Ob jemand 100 Kilogramm oder 20 Kilogramm hebt, eine Übung 20 Mal oder zehnmal wiederholt, ist von dessen Konstitution abhängig. Für effektives Training ist die Abstimmung an das eigene Vermögen von entscheidender Bedeutung und sollte jedenfalls unter fachkompetenter Anleitung bestimmt werden.
  • Modalität: Koordination, Beweglichkeit und Kraft – der Golfschwung ist eine der komplexesten Bewegung im Sport und kann in diesem Punkt mit Sportarten wie Stabhochsprung verglichen werden. Um möglichst effektiv zu trainieren, muss jener Bereich ausgemacht werden, der das größte Verbesserungspotenzial bereithält. Nur so kann man in kurzer Zeit die größten Fortschritte in seinem Spiel erreichen.

All diese Faktoren zu berücksichtigen und effektives Golftraining zu ermöglichen ist der Job von Experten im Bereich der Sport- und Trainingswissenschaften. Nur ein auf individuelle Gegebenheiten und Bedürfnisse abgestimmtes Programm sowie professionelle Anleitung beim Ausführen der Übungen stellen sicher, dass das eigene Spiel nachhaltig verbessert werden kann.

Ein Beispiel aus der Praxis

Vor drei Wochen sprach uns ein etwa 40-jähriger Mann an, ob wir ihn „fit für die bevorstehende Saison“ machen könnten. Aufgrund anhaltender Knieprobleme vereinbarten wir zuerst einen persönlichen Sprechstunden-Termin, um gesundheitliche Risiken auszuschließen. Nachdem konstitutionelle Schwächen sowie Schäden am Gelenk (Meniskusrisse, Knorpelschäden, Bänderläsionen) ausgeschlossen werden konnten, empfahlen wir dem durchschnittlich trainierten Handicap-19-Golfer den Besuch beim auf Golf spezialisierten Physiotherapeuten. Ein erster Check der Golfphysis ergab erwartungsgemäß keine wesentlichen Defizite der Schnellkraft als viel mehr Schwächen der Rumpfstabilität und Hüftbeweglichkeit.

Im nächsten Schritt wurde aufbauend auf den Ergebnissen des Checks sowie den individuellen Ansprüchen des Golfers ein individueller, die persönlichen Defizite ansprechender Trainingsplan erstellt. Schließlich erfolgte in wenigen, aber essentiellen Schritten die maßgeschneiderte Anleitung der Übungsauswahl, um effektiv dreimal pro Woche zusätzlich zum Training auf der Range im Studio oder zu Hause trainieren zu können.

Ein wesentlichergraf roland Bestandteil der Konstanz im Golfspiel ist ein trainierter Bewegungsapparat. Je höher die Ansprüche an sich selbst, desto wichtiger ist es, sich gezielt dem Training der eigenen Physis zu widmen. Selbst hunderte geschlagene Bälle können dies keinesfalls kompensieren!

 

Mag. Roland Graf ist Sportwissenschafter und betreibt ein Zentrum für Gesundheitstraining, Trainingstherapie & sportwissenschaftliche Leistungsdiagnostik. fithalten.at

 

 

 

 

 

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