Leistungsdiagnostik des Österreichischen Nationalteams

Alljährlich werden die Kaderathleten des Österreichischen Golf-Verbandes zu den sportmotorischen Testungen gebeten.

Die sogenannte Leistungsdiagnostik ist eine der wichtigsten Bestandteile der Wintervorbereitung und umfasst unter anderem sportmedizinische Untersuchungen, sportmotorische Testverfahren und golfspezifische-funktionelle Screenings.

„Sportmedizinisch gesehen ist der Golfschwung eine sehr einseitig belastende Bewegung und kann bei intensivem Schwungtraining den Körper überfordern, ja sogar körperliche Beschwerden wie zum Beispiel Haltungsschäden, Lenden,- Brustwirbelsäule-oder Hüftprobleme nach sich ziehen!”, so Testleiter Ernst Erlinger. „Neben den leistungsdiagnostischen Faktoren, spielt also auch die Gesundheitsprophylaxe eine große Rolle bei den Testungen um Dysbalanceen im frühen Stadium zu erkennen und rechtzeitig behandeln zu können. Sportmotorische Faktoren die für den Golfschwung von ungeheurer Wichtigkeit sind, sind unter anderem die Koordination und Balance, die Beweglichkeit, Kraft und Ausdauer.”

Das ÖGV-Testteam

Den Spielerinnen und Spielern des Österreichischen Nationalteams steht ein Stab aus Trainern und Betreuern zur Verfügung. Das sportwissenschaftliche Team setzt sich aus absoluten Experten zusammen. Die Ärzte, Therapeuten und Fitnesskoordinatoren begleiten die Kaderspieler in allen Phasen einer Golfsaison und gehen professionell auf die einzelnen Spieler ein.

Die Rolle des Fitnesskoordinators nimmt Ernst Erlinger ein, der seit über einem Jahrzehnt als Fitnesskoordinator für den Österreichischen Golf-Verband tätig ist und Jahr für Jahr die Testbatterien weiterentwickelt.

Die ÖGV-Sportärzte Dr. Robert Kocher, Facharzt für Chirurgie und Unfallchirurgie, und Dr. PD Ernst Bernhard Zwick, Facharzt für Orthopädie, sind für die organisatorische Sicherstellung der medizinischen Betreuung der Athleten verantwortlich. Tobias Schmied vervollständigt seit vier Jahren als Sportphysiotherapeuten das ÖGV-Betreuerteam und begleitet die Spieler bei Trainingslagern und großen Team-Events.

Vor Ort wird das ÖGV-Team von Mag. Ernst Köppel und Mag. Christoph Peischler vom Leistungszentrum Steiermark und dem Olympiastützpunkt Innsbruck durch Mag. Dr. Christian Raschner und MSc. Roland Luchner unterstützt.

Golf Austria Redaktion: Wieso sind die Investitionen in die leistungsdiagnostischen Untersuchungen der Kaderathleten so wichtig für den Spitzensport?

Ernst Erlinger: Die Untersuchungen und Testverfahren des ÖGVs geben Auskunft sowohl über den aktuellen Gesundheitszustand der Athleten, als auch über die Belastbarkeit und den Leistungsstand der Sportler. Die sogenannte „IST-Diagnose“ dient als Grundlage individuelle, sportartspezifische Trainingspläne für die Athleten des österreichischen Nationalteams zu erstellen.

Golf Austria Redaktion: Wie darf sich der Durchschnittsgolfer diese umfangreichen Testtage vorstellen?

Ernst Erlinger: Ein sportmotorischer Test ist ein unter Standartbedingungen, nach einheitlichen Richtlinien durchgeführtes Verfahren zur Untersuchung bestimmter motorischer Bewegungsaufgaben und Fertigkeiten. Sportmotorische Tests müssen dabei den Hauptgütekriterien wie Objektivität, Zuverlässigkeit und Gültigkeit entsprechen. Aus welchen sportmotorischen Untersuchungen sich der Testtag zusammensetzt, können Sie gerne im beilegenden Testhandbuch nachlesen.

Testübersicht

Die erzielten Testergebnisse werden altersgemäßen Normtabellen/Referenzwerte zugeordnet und dementsprechend analysiert und gewichtet.

Diese ermöglichen einerseits die Einordnung der Leistungsfähigkeit des einzelnen Sportlers in das nationale und teilweise internationale Leistungsniveau ihrer jeweiligen Altersstufe und biologischen Entwicklung. Anderseits können darauf individuell abgestimmte Trainingspläne erstellt werden und nach dem Kontrolltest, die Leistungsentwicklung bestimmt und so die Qualität des Trainingsprozesses evaluiert werden.

Die athletische Grundausbildung hat einen hohen Stellenwert, denn nur so ist die Basis für ein intensives und umfangreiches Training und Turniere gewährleistet.

Mein Leitsatz für den Leistungssport lautet: „Erfolg ist für diejenigen reserviert, die bereit sind den Preis dafür zu geben!”

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Golf Austria Redaktion: Wie kann man sich ein golfspezifische-funktionelle Screening vorstellen?

Robert Kocher: Wenn die Hüfte nicht gut beweglich ist, müssen andere Teile des Körpers diese Funktion übernehmen (Lendenwirbelsäule oder Knie). Das führt zu Bewegungen, die funktionell nicht richtig und zum Teil sogar gesundheitsschädlich sein können (z.B. Überlastungen in der Lendenwirbelsäule). Man kann also behaupten, dass schwungtechnische und gesundheitliche Probleme meist eine funktionelle Ursache haben. Unsere körperlichen Evaluierungen geben Aufschluss über die funktionelle Fitness der Athleten Innen und wir können punktgenau die Probleme erkennen und durch individualisiertes Training beheben.

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Golf Austria Redaktion: Welche Aspekte umfasst so eine Untersuchung?

Robert Kocher: Es werden sehr viele Gelenke, die relevanten großen sportartspezifischen Muskeln, Muskelschlingen, Stabilitäten der tiefen Muskulatur, Balance, körperliche Symmetrie und die Separation evaluiert. Die Athleten Innen erhalten ein Evaluierungsergebnis, welches den Athletik Trainern, den Physiotherapeuten und den Golftrainern hilft, individualisierte Trainingsprogramme zu erstellen.

Golf Austria Redaktion: Welche Bereiche werden im dritten Teil der Untersuchungen abgedeckt?

Robert Kocher: Hier werden standardisierte sportmedizinische Belastungsuntersuchungen am Fahrradergometer durchgeführt. Damit werden das Herz und die allgemeine aerobe Leistungsfähigkeit getestet. Diese Ergebnisse dienen einerseits zur kardiologischen Basis Untersuchung EKG und andererseits können damit Trainingspläne für das allgemeine Grundlagenausdauertraining erstellt werden.

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