British Amateur Championship

Matthias Schwab gibt sich erst auf den Schlusslöchern gegen Alan Dunbar geschlagen - auch die Silbermedaille ist ein Riesenerfolg. Video

6 Tage und 168 Golflöcher lang war Matthias Schwab auf Kurs sich zum ersten deutschsprachigen Sieger bei der 117. Auflage der British Amateur Championship zu küren. Am 169. und 170. Loch schlug das sprichwörtliche „Luck of the Irish“ beim Putten zu und gab zugunsten von Alan Dunbar den Ausschlag. Bei absolutem Horrorwetter mit Wind, Kälte und Regen im 36 Loch-Finale von Royal Troon hatte der 17-jährige Schladminger zuvor die meiste Zeit über knapp die Oberhand. „Es gibt Schlimmeres als hier Zweiter zu werden, ich bin mit Platz 2 trotzdem zufrieden,“ sieht Schwab daher das Positive.

Der um 6 Jahre ältere Nordire Alan Dunbar kann erst auf den Schlusslöchern die entscheidenden Akzente setzen. Das aus der Talenteschmiede von Darren Clarke in Portrush stammende Walker Cup-Mitglied des siegreichen Teams 2011 verweist Schwab mit 1 Auf hauchdünn auf den zweiten Platz und holt sich neben Golfmedaille und Siegestrophäe auch das Ticket für Open Championship, US Masters und US Open.

Für Matthias Schwab, der heuer bereits die Slowenischen Meisterschaften gewann, ist der zweite Platz bei der wichtigsten europäischen Nationenmeisterschaft dennoch der bislang größte Erfolg seiner Karriere. Golfösterreich zieht endlich mit unseren Nachbarn bei den Amateurerfolgen gleich: Christian Reimbold holte als bester Deutscher im Jahr 2000 die Silbermedaille, der Schweizer Raphael de Sousa wurde 2003 ebenfalls Zweiter bei der British Amateur.

Der oftmals mit Matteo Manassero angestellte Vergleich mit Schwab bekommt bei der British Amateur zusätzliche Bedeutung. Italiens Wunderteenager startete 2009 als 16-jähriger mit dem Erfolg beim gleichen Turnier seine kometenhafte Karriere.

ÖGV-Präsident Franz Wittmann, der mit Österreichs Golffans die letzten Tage live mitfieberte, war bei den ersten Gratulanten: „ich bin begeistert und einfach nur stolz darauf, wie viele fantastische Spieler wir derzeit haben. Herzliche Gratulation an Matthias, seine Familie und alle Betreuer, die mit harter Arbeit der letzten Jahre mitgeholfen haben.“

Bei miserabelsten Wetterbedingungen am Morgen mit Kälte, Regen und starkem Wind erwischt Matthias Schwab den besseren Start: die Löcher 4 und 5 gehen gleich an den deutlich jüngeren Österreicher. Zwar ist es ein Marathon über 36 Löcher, ein guter Beginn gilt jedoch als die halbe Miete beim Match Play. „Mein langes Spiel war wirklich gut, ich habe den Ball gut den den Fahnen gehaut,“ kann Matthais erfolgreich Druck ausüben. Dunbar, der als wahre Birdiemaschine gilt, wenn es einmal bei ihm läuft, wacht langsam auf und gleicht bis zum 8. Loch wieder aus.

Angesichts des heftigen Winds geht es nun hin und her: Schwab bringt sich an der 9 wieder 1 Auf. Dunbar, der von sich selbst behauptet: „ich bin ein ruhiger Typ und ich habe sehr viel Geduld,“ gleicht jedoch immer wieder aus. Die bessere Laune beim kurzen Mittagslunch hat jedoch der Österreicher, dem bei 1 Auf nach 18 Löchern der Müsliriegel besser schmeckt.

Dem Nordiren fällt jedoch die Rückkehr in das miserable Golfwetter leichter, er ist zu Beginn der zweiten Runde der deutlich Bessere. Drei schnelle Lochgewinne lassen Dunbar auf 2 Up davonziehen, ehe Schwab zurück ins Match findet und Dunbar Probleme bei den langen Schlägen bekommt. Ein Doppelschlag auf den Löchern 25 und 26 stellt binnen 15 Minuten wieder den Gleichstand her.

Auf den letzten 9 Löchern kann nun jeder schlechte Golfschlag die Vorentscheidung bedeuten. Schwab ist der Stabilere, gewinnt Loch 30 und setzt seinen Gegner wieder unter Zugzwang. Dunbar braucht aber nur zwei Bahnen um drei Löcher vor Schluss zurück auf „All Square“ zu stellen. Loch Nummer 16 bleibt jedoch die Domäne des Österreichers, das er auch am Nachmittag gewinnt, da sich sein Gegner zweimal am Weg zum Grün einbunkert. Dunbar muss nun die letzten zwei Löcher gewinnen – setzt das unter allergrößtem Druck um und erweist sich damit als würdiger Champion: „Dunbar hat die wichtigen Putts gemacht, auch einige Längere, was für mich natürlich ein bisserl zach ist. Am Ende hats halt mich erwischt," meint Schwab, der auf den letzten zwei Löchern die Par-Saves nicht schafft und am Schlussloch aus etwas mehr als einem Meter vergibt.

Schwab spielt selbst im ungewohnten Linksgolf am Klassiker von Royal Troon 6 Tage lang seine Topform aus. Dabei war der Schladminger Gymnasiast nach mäßiger 77 in Runde 2 der Qualifikation nur mit viel Dussel überhaupt in das Hauptfeld gerutscht. Auch in seiner zweiten Match Play-Partie stand er gegen Ashley Chesters (ENG) knapp vor dem Ausscheiden (2 Down nach 14), überstand aber auch diese Zitterpartie dank der besseren Nerven in der Endphase.

Matthias Schwab will nach der Matura nun nach Amerika übersiedeln und seine Golf-Karriere ab September an der Vanderbilt University in Tennessee fortsetzen.

Updates: 17:50 / 19:10 Uhr
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